Ein Leben wie ein Kaleidoskop

von Sonja L. Bauer

Interlaken Philippe Daniel Ledermann war Zahnarzt und Erfinder des ersten Zahnimplantats der Welt. Im Interlakner Schlosskeller erzählte er aus seinem spannenden Leben.

Foto: Berner Oberländer
Foto: Berner Oberländer

Philippe Daniel Ledermann, Autor zahlreicher Bücher, hat ein kluges, humorvolles Gesicht mit offenen Zügen. Eines von der Sorte, die man nicht vergisst, weil es über Merkmale verfügt, welche die Aufmerksamkeit des Gegenübers fesseln. Im konkreten Fall waren es zahlreiche Zuhörer. Sie kamen in den Schlosskeller, um den Fragen von Roland Seiler, selbst Autor, und den Antworten des Schriftstellers des bekannten Romanquartetts Die Papier­eltern zu lauschen.

 

Adoptiert in Meiringen

 

Bereits im ersten Satz erfuhren die Zuhörer, dass der kleine Bub mit dem französischen Namen, der in Genf geboren wurde, aber in Meiringen aufwuchs, im Oberland adoptiert wurde. Seine, wie er selber sagt, «einfachen, aber grossartigen Eltern» – der Vater war Kaminfeger – nahmen den 1944 Geborenen im Alter von 4 Jahren zu sich und bescherten ihm eine zufriedene Kindheit – wäre da nicht ein sadistisch-unsensibler Lehrer gewesen. Durch ihn erfuhr das Kind, dessen Eltern später nur einmal kurz mit ihm darüber sprachen, dass es noch andere, prägende Menschen in seiner Biografie gebe. «Mein leiblicher Vater war Chirurgieprofessor. Kann gut sein, dass die Mischung aus Vererbung, Vorbild und eigenem Charakter zu dem geführt hat, was ich wurde.»

 

Ledermann erzählt seine bunten Geschichten lebendig und mit feinsinnigem Humor. Manchmal sind sie absehbar, jedoch immer amüsant und in treffenden Bildern geschildert. Selbst das einst Schwierige und Schwere erscheint durch seine Worte gelöster und leichter.

 

Methode Ledermann

 

Sein neustes Buch, «Finders Lohn», hat der Autor an der Lesung nur kurz angerissen. Spannend ist ausserdem Ledermanns Biografie: Er ist der Erfinder des ersten Zahnimplantats der Welt. Seine Ledermann-Schraube, die spätere Straumann-Schraube, entstand aus Notwendigkeit und Mut. «Eine Patientin brauchte dringend Hilfe. Da es damals noch keine solchen Prothesen gab, wusste ich, dass diese Hilfe nur erbracht werden konnte, wenn ich selbst etwas Entsprechendes erfinden würde.»

 

Während seiner Ausbildung zum Mechaniker erhielt der ehemalige Primarschüler Philippe vom Chef der Hasler AG die Möglichkeit, die Matura nachzuholen und an der ETH zu studieren. «Ich wusste damals nicht einmal, was Matura und ETH sind», schmunzelt der spätere Zahnpionier. Die Firma war es schliesslich auch, welche die ersten dieser Schrauben, welche Ledermann entwarf, herstellte. «Ich vergesse den Tag nie, es war 1977, an dem die ersten 16 Schrauben geliefert wurden. Nicht einmal steril waren sie. Meine Frau hat sie wie Salat gewaschen und danach ausgekocht.» Seine Patientin habe dies erste Implantat schliesslich über 30 Jahre getragen. «Bis zu ihrem Tod.» (Berner Oberländer)